Schaffhauser Nachrichten: Reservetöpfe geraten unter Beschuss

22. Juni 2022

Die Politik schaffte in den letzten Jahren Geldtöpfe für ganz verschiedene zukünftige Vorhaben und Situationen. Nun...

Die Seniorenuniversität Schaffhausen beendete am Montag das Akademische Jahr im Zunftsaal des Hotels Rüden unterhaltsam-besinnlich mit Gedichten von Gellert bis Petrosanyak sowie Musik von Bach bis Kronke.

von Andreas Schiendorfer

Stadtrat Raphaël Rohner hatte am 3. Januar als Vorsitzender des Trägervereins der Seniorenuniversität den 24. Akademischen Zyklus eröffnen können. «Um Körper, Geist und Seele in Zeiten des Klimawandels» ging es damals. Ein Vierteljahr später ist ein kriegerisch-politischer Klimawandel in für uns ebenfalls beängstigender Form hinzugekommen, und auch die Pandemie zeitigt nach wie vor ihren negativen Einfluss. «Wir haben versucht, der Pandemie zu trotzen. Das ist uns insgesamt recht gut gelungen», erklärte Erna Weckerle-Oser als Vorsitzende der Programmkommission, «allerdings mussten vier Vorlesungen ausfallen und auch sonst war der Besuch pandemiebedingt etwas weniger gut als in früheren Jahren.» Das bereitet, auch in finanzieller Hinsicht, gewisse Sorgen, doch am Abschlussnachmittag rückten die negativen Zeitzeichen weitgehend in den Hintergrund, denn es ging um nichts weniger als um den Zauber des Lebens in seiner ganzen Vielschichtigkeit.

Leben in wachsenden Ringen

«Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn», liest der Sprecher, liest Niklas Raggenbass. «Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen; aber versuchen will ich ihn.» Er kreist um den uralten Turm, jahrtausendelang, doch weiss er noch nicht: «Bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein grosser Gesang.» Vielleicht hat Rilke an Menschen wie Raggenbass gedacht, der ein romanhaftes Leben versucht – und auch vollbringt, aktuell als Gastwirt im luzernischen Hohenrain und als christkatholischer Pfarrer im aargauischen Wegenstettertal. Doch vielleicht ist Raggenbass vor allem ein Wort speiender Sturm, mit zerzausten Haaren, um sich werfenden Armen und bisweilen, zur Beruhigung von sich und dem Publikum, mit dem Hesse-Strohhut auf dem Kopf.

Das eine oder andere Gedicht wird man zu Hause vielleicht nochmals nachlesen, Bildung bringt Lebenszauber. Allerdings wird einem, von Fontana etwa, der Spiegel vorgehalten: «Unverständlich sind uns die Jungen, wird von den Alten beständig gesungen; meinerseits möcht ich’s damit halten: Unverständlich sind mir die Alten. Dieses am Ruderbleibenwollen in allen Stücken und allen Rollen, dieses sich Unentbehrlichvermeinen, samt ihrer Augen stillem Weinen, als wäre der Welt ein Weh getan – ach, ich kann es nicht verstahn.»

Dazwischen immer wieder Kammermusik, als Trio namenlos, doch mit Anna de Capitani, Daniela Laubscher und Klaus Wloemer trefflich bestückt und ungeteilte Lebensfreude vermittelnd. Das gibt es tatsächlich: zwei Querflöten mit Klavier! Und die Kompositionen dürfen sich durchaus hören lassen. Johann Sebastian Bach ist dabei, Johann Ludwig Krebs und Arthur Sullivan, Emil Kronkes Schmetterlinge, Albert Franz Dopplers ungarisches Duettino. So geht man gerne an die Uni. Ab Herbst dann wieder beim Jubiläumszyklus.

Dann aber ein Gedicht der in der Schweiz lebenden ukrainischen Schriftstellerin Halyna Petrosanyak aus «Exophonien» (2019). Erneut ein Spiegel, oder doch nicht? «Du sollst dich nicht wehren, / das ist überholt, / sagen die Nachbarn zu ihr, / jene, denen näher zu kommen/ sie sich bemühte. / (…) Sei / gescheit: / lass dich / nett lächelnd / in Stücke zerreissen / und vergiss alles. / Das würden wir tun, / wären wir du, / sicher, / ganz sicher.»

Zuletzt gab es nicht nur Blumen für die Künstler, sondern auch, vorgenommen durch Werner Geel, eine verdiente Würdigung für Erna Weckerle-Oser, Geist und Seele und Lebenszauber der Seniorenuni.

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